75. Zollern-Alb-Turnier: „Quantitativ und qualitativ ein absolutes Top-Turnier“

Charly Kommer und Bodo Friederich

Charly Kommer und Bodo Friederich organisieren das Zollern-Alb-Turnier der TG Ebingen. Das historisch gewachsene Event geht dieses Jahr in seine 75. Auflage. Große Jubiläumsfeierlichkeiten müssen heuer zwar ausbleiben, dennoch erwarten die Veranstalter wieder hochklassigen Tennissport.

Am ersten September-Wochenende steigt auf der Anlage der TG Ebingen einmal mehr das prestigeträchtige Zollern-Alb-Turnier. Wieder reisen Tennis-Cracks aus ganz Deutschland an. TGE-Vorstand Bodo Friederich und Turnierleiter Charly Kommer blicken der Jubiläumsauflage gespannt entgegen.

 

Interview im ZAK von Charly Kommer und Bodo Friederich

Herr Friederich, Herr Kommer, die 75. Auflage des Zollern-Alb-Turniers steht an. Wie hat sich dieses in all den Jahren entwickelt?

Bodo Friederich: Bei den Anfängen waren wir natürlich auch nicht dabei. Aber es gibt noch ein Mitglied, unseren Herrmann Maier, bei dem es letztes Jahr 70 Jahre her war, dass er das Turnier gewonnen hat. Er hat auch bis vorletztes Jahr noch aktiv gespielt und ist immer noch bei den Rundenspielen und beim Zollern-Alb-Turnier als Zuschauer dabei. Er ist zwar manchmal über die Geschwindigkeit überrascht, aber er ist noch richtig mit Herzblut dabei.
Charly Kommer: Als ich vor rund 30 Jahren das erste Mal dabei war, war das Feld quantitativ schon hervorragend besetzt. Aber in der Spitze waren wir nie so stark besetzt wie heute. Damals waren es hauptsächlich Spieler aus dem Bezirk und ein paar Überflieger – Spielertrainer, die das fast immer unter sich ausgemacht haben. Der Favoritenkreis war relativ klein. Heute ist das anders. Es können ein dutzend Spieler gewinnen.

Herr Friederich, wie war das Vereinsleben von Corona betroffen?

Friederich: Wenn man die Saison 2020 dazunimmt, hatten wir bis jetzt keine Corona-Einbußen auf der Mitgliederseite – im Gegenteil. Wir haben sogar neue Mitglieder dazubekommen. Letztes Jahr hatten wir auch ein intensives Vereinsleben, wenn Rundenspiele waren, hatten wir fast mehr Zuschauer als sonst üblich. Inzwischen ist aber leider unser Vereinsheim betroffen, da der Wirt sehr schwer an Corona erkrankt war. Das müssen wir auch beim Zollern-Alb-Turnier erstmal auffangen. Außerdem fehlen uns natürlich Einnahmen. Die zweitwichtigste Einnahmenposition bei uns ist die Halle. Da hatten wir rund die Hälfte der Saison totalen Lockdown – unsinnigerweise aus meiner Sicht. Da hatten wir schon erhebliche Einbußen.

Inwiefern unsinnig?

Friederich: Zunächst mal durfte man ja nur noch Einzel spielen, dann war es das Problem, dass man die Zwei-Feld-Halle nur noch mit einem Einzel belegen durfte. Das war aus meiner Sicht eine unglückliche Regelung. Allerdings muss man natürlich auch sehen, dass Tennis nicht das größte Sorgenkind der Politik war in der Corona-Hochphase.

Herr Kommer, Sie begleiten viele Turniere als Oberschiedsrichter und Turnierleiter. Wie waren die Auswirkungen dort zu spüren?

Kommer: Also im Sommer war es kein Problem. Auch die Teilnehmerzahlen waren gut. Wir hatten auch keine Probleme mit den Hygienevorschriften. Im Winter war dann alles anders. Bei den Bezirksmeisterschaften habe ich am einen Wochenende noch das Turnier der Jugend in der Balinger Hobbylandhalle begleitet. Da mussten zwar auch entsprechende Vorschriften eingehalten werden, aber wir haben es gut durchgebracht. Eine Woche später hätte das Aktiven-Turnier stattfinden sollen, aber das wurde uns dann untersagt. Das war für mich ein bisschen unverständlich.

Das Zollern-Alb-Turnier hatte 2020 bereits Terminglück. Wie zuversichtlich sind Sie, dass es auch dieses Jahr wieder durchgezogen werden kann?

Friederich: Ich würde sagen: 95 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass es geht. Man weiß natürlich nicht, wie sich die Delta-Variante bei uns entwickelt. Da bin ich noch vorsichtig, aber ich gehe eigentlich fest davon aus, dass wir das durchziehen können. Wir versuchen, uns auch vorzubereiten, haben auch die Luca-App schon installiert. Je nach Auflagen wird es natürlich ein schöneres oder ein mehr reglementiertes Turnier. Da sind wir aber relativ flexibel aufgestellt. Letztes Jahr war es deutlich unsicherer – auch was die Sponsoren angeht. Letztlich sind wir aber mit einem tollen Turnier belohnt worden. So ein gigantisches Turnier hatten wir hier noch gar nie. Selbst die Spiele in der Qualifikation am Donnerstag waren teilweise schon spektakulär.
Kommer: Ich sehe es auch so. Bis zur Inzidenz von 30 ist es überhaupt kein Problem. Und darüber hinaus müssten wir halt unter Umständen bei den Zuschauern Einschränkungen machen. Die Spieler sind sowieso auseinandergezogen. Es ist ja ein K.o.-Turnier – wer verliert, fährt heim. Das entzerrt sich dann schon. Daher würde ich sogar eine 98-prozentige Wahrscheinlichkeit ausgeben.

Sie haben die Sponsoren bereits angesprochen. War es fraglich, ob diese in der schwierigen Zeit dabeibleiben?

Friederich: Mit der Sparkasse haben wir immer eine mehrjährige Vereinbarung. Sie sind das 20. Jahr in Folge dabei. CompData ist seit 18 Jahren im Boot, behält sich die Entscheidung aber immer von Jahr zu Jahr vor. Herr Veit ist aber Mitglied im Verein, also sieht es schon auch von innen. Aber da sind wir schon sehr dankbar, dass sie uns treu bleiben. Ohne die Sponsoren wäre das alles gar nicht möglich.
Kommer: Die Sponsoren sehen ja auch, wie unser Turnier läuft und dass es auch draußen gut ankommt. Mit einer gewissen Konstanz bekommt man dann auch eine solche langjährige Beziehung hin. Bei uns ändern sich jedes Jahr immer nur Nuancen.

Welche Änderungen wird es in diesem Jahr geben?

Kommer: Nicht viele. Der Ablauf bleibt gleich, der hat sich ja bewährt. Wir hatten letztes Jahr quantitativ und qualitativ ein absolutes Top-Turnier – und das deutschlandweit. Das ist kaum zu steigern. Dazu müssten wir in eine andere Preiskategorie. Aber selbst da wäre nicht gesagt, dass das Turnier dann automatisch besser besetzt wäre – gerade in der Breite. Daher bin ich der Ansicht, dass wir in der richtigen Kategorie sind. Eine Neuerung wird sein, dass wir am Freitagabend ein oder zwei Partien auf dem Centre-Court ansetzen wollen – wenn die Witterung mitmacht. Das wird sich daher spontan entscheiden. Das wäre aber eine tolle Sache für die Zuschauer, die dann vielleicht auch eher noch ein bisschen sitzen bleiben.

Welche Fragezeichen gibt es noch in der Planung?

Kommer: Das einzige Sorgenkind wird die Bewirtung sein, die natürlich schon immens wichtig ist für so ein Turnier. Aber ich bin optimistisch, dass wir da noch eine Lösung finden. Da gibt es natürlich schon einige Überlegungen. Das Thema Schiedsrichter ist auch noch nicht final geklärt. Wir werden maximal einen Stuhlschiedsrichter herbekommen. Davon haben wir im WTB nur noch zwölf. Aber die Stuhlschiedsrichter sind ja hauptsächlich für die Zuschauer interessant. Es würde auch ohne gehen, so fair sind die Spieler. Aber ich habe jetzt eine Zusage, ich hoffe, dass es dabei bleibt.

Wie sieht es mit dem Hygienekonzept aus?

Kommer: Ich habe jetzt ein vorläufiges erstellt. Das werde ich nächste Woche bei der Stadt einreichen. Ich möchte noch abwarten, wie sich die Zahlen entwickeln. Aber bis zu einer Inzidenz von 30 sollte alles soweit passen. Erst darüber müsste man neu planen und ein paar Sachen ändern. Ich denke, von der Stadt her sollte es keine Probleme geben. Das Konzept ist auf Vorgaben vom Land, vom Deutschen Tennisbund und aus eigenen Erfahrungen aufgebaut. Mit der Luca-App können wir auch die Zuschauer viel leichter erfassen.

Können Sie bereits einschätzen, wie das Teilnehmerfeld dieses Jahr aussieht?

Kommer: Ich habe jetzt erst angefangen, die Spieler anzuschreiben. Zwei, drei haben bisher reagiert und haben gesagt, sie haben sich das vorgemerkt. Die besseren Spieler erstellen sich immer einen groben Turnierplan. Da geht es auch darum, ob man im Anschluss eventuell in der Region bleiben und ein weiteres Turnier spielen kann. Aber am Ende entscheidet sich das erst wenige Tage vor dem Turnierstart – bei den Wildcards teilweise noch kurzfristiger. Allerdings haben wir dieses Jahr doch einige Konkurrenzveranstaltungen mehr – in Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir wieder ein gutes und umfangreiches Feld haben werden.

Herr Friederich, angenommen, die Pandemie wäre bereits überstanden. Wie hätten die Jubiläumsfeierlichkeiten dieses Jahr ausgesehen?

Friederich: Im sportlichen Teil hätten wir wohl nicht viel ändern können. Aber wir hätten die ganze Sache natürlich mit ein bisschen mehr Show drumrum aufgezogen. Dann hätten wir wohl ein Festzelt gehabt, eine Kapelle oder eine Band – einfach ein schönes Unterhaltungsprogramm. Aber möglicherweise holen wir das dann bei der 77. Auflage nach.

Text und Bilder aus dem Zollern-Alb-Kurier erschienen am 29.07 .
Text: © Daniel Drach
Bilder © Herl

Ein gutes Team:
Der Turnierverantwortliche Charly Kommer, die Sponsorenvertreter Reiner Veit (CompData) und Uwe Baur (Sparkasse)
sowie der TGE-Vorstand Bodo Friederich (von links).

Ansprechpartner

BODO FRIEDERICH​

1.Vorstand

Tel:Tel: 0172/6138834
E-Mail: bodo.friederich@tg-ebingen.de

Charly Kommer

Zollern-Alb-Turnier

Tel: 07434 86 07
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